- PSD2 verpflichtete Banken, Konten über standardisierte Schnittstellen (XS2A) für lizenzierte Drittdienste zu öffnen — und führte die starke Kundenauthentifizierung (SCA) ein.
- Getragen haben vor allem zwei Anwendungsfälle: Kontoinformationsdienste (Aggregation) und Zahlungsauslösung (A2A-Zahlungen).
- Der größte Bremsklotz war die uneinheitliche Qualität der Bankschnittstellen — genau hier setzt PSD3/PSR an.
- SCA hat Betrug messbar gesenkt, aber Reibung im Checkout erzeugt; gutes Design entscheidet über die Conversion.

Was PSD2 versprochen hat
Die zweite Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) ist seit 2018 in Kraft und hatte zwei große Hebel: Sie verpflichtete Banken, den Zugang zu Konten über standardisierte Schnittstellen für lizenzierte Drittdienste zu öffnen (Access to Account, XS2A), und sie führte die starke Kundenauthentifizierung (SCA) ein. Das Versprechen: mehr Wettbewerb, neue Dienste, weniger Betrug.
Was tatsächlich getragen hat
Fünf Jahre später lässt sich nüchtern sortieren, was funktioniert. Zwei Anwendungsfälle sind aus dem Pilotstatus herausgewachsen und im Alltag angekommen.
- Kontoinformationsdienste (AIS): das Bündeln mehrerer Konten in einer Ansicht — für Budgetplanung, Bonitätsprüfung und Buchhaltung.
- Zahlungsauslösung (PIS): Konto-zu-Konto-Zahlungen direkt vom Bankkonto, ohne Umweg über die Karte — besonders in Kombination mit Echtzeitüberweisung.
- Betrugsreduktion durch SCA: Die Zwei-Faktor-Authentifizierung hat bestimmte Betrugsmuster spürbar erschwert.
Bei Novalnet haben wir Open Banking 2021 mit Tink für Echtzeit-Händlerzahlungen aufgesetzt — zunächst in Deutschland und im Vereinigten Königreich, später in weiteren europäischen Märkten. Der Reiz von A2A-Zahlungen liegt genau dort, wo Karten teuer oder langsam sind.
Was liegen geblieben ist
Der größte Dämpfer war nicht die Idee, sondern die Ausführung: Die Bankschnittstellen waren technisch sehr unterschiedlich — in Verfügbarkeit, Datenqualität und Stabilität. Wer Dienste darauf baut, kämpft weniger mit dem Konzept als mit Sonderfällen pro Bank. Genau deshalb adressiert der Nachfolger PSD3/PSR verbindliche Schnittstellenqualität ausdrücklich.
„Open Banking ist nicht am Konzept gescheitert, sondern an der Schnittstelle. Das ist reparierbar — und wird gerade repariert.“
Was ich fünf Jahre später sage
PSD2 war kein Fehlschlag, aber auch keine Revolution über Nacht. Sie hat die Grundlage gelegt — die Ernte kommt mit einheitlicheren Schnittstellen und Echtzeitzahlungen. Für Händler heißt das heute: A2A dort einsetzen, wo es Kosten spart, und SCA so gestalten, dass sie schützt, ohne den Checkout zu zerstören.
Häufige Fragen
Was ist PSD2?
Die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, in Kraft seit 2018. Sie verpflichtet Banken, Konten über Schnittstellen für lizenzierte Drittdienste zu öffnen, und schreibt die starke Kundenauthentifizierung (SCA) vor.
Was ist der Unterschied zwischen AIS und PIS?
AIS (Account Information Services) liest Kontodaten und bündelt sie; PIS (Payment Initiation Services) löst Zahlungen direkt vom Bankkonto aus. Beide brauchen die Zustimmung der Kundin oder des Kunden.
Was sind A2A-Zahlungen?
Konto-zu-Konto-Zahlungen ohne Karte. In Kombination mit Echtzeitüberweisung sind sie schnell und oft günstiger als Kartenzahlungen.
Warum kam Open Banking langsamer als erwartet?
Vor allem wegen uneinheitlicher Bankschnittstellen in Verfügbarkeit und Datenqualität. Der Nachfolger PSD3/PSR adressiert verbindliche Schnittstellenqualität ausdrücklich.
- Richtlinie (EU) 2015/2366 (PSD2) und technische Regulierungsstandards zur starken Kundenauthentifizierung (SCA)
- Europäische Kommission: Vorschläge zu PSD3 und PSR (2023)
- Novalnet AG: „Tink und Novalnet starten Open-Banking-Zahlungen“, 2021